Peter Wacha, aka DJ Upstart, ist Mitbegründer des Optimal, einem der international wichtigsten Independent Record Stores, seit 1982 eine Institution in München. Er war Mitbegründer des Techno-Clubs Ultraschall, betreibt bis heute die Rote Sonne und zog bei den Labels Disko B, Sub-Up- und ChicksOnSpeed-Records die Fäden. Beim schönsten Open Air Bayerns, dem Puch Festival, ist er für das Booking verantwortlich und Herburg Weiland seit 20 Jahren für die Plakate. Da für uns Design und Musik untrennbar miteinander verbunden sind, wollten wir von ihm wissen, ob er das auch so sieht.

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Welche Rolle spielt Design für Musik?

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Bei den Majors gab es früher in den 80ern immer diesen Hüllenabzug: je doller die Vorstellungen der KünstlerInnen – individuelle Etiketten, bedruckte, dicke Innencover, raues Papier, partieller Hochglanz, Stanzungen, Sticker – die Mehrkosten wurden Ihnen gleich im Vertrag abgezogen. Außerdem hat es den Betrieb aufgehalten, wenige wagten sich vor, sahen den Mehrwert eines tollen „Surroundings“… eben das Cover, die Kleidung, sonst wäre Musik ja irgendwie nackt, oder? ...obwohl es ja früher ja auch Gatefolds (Klappcover) gab, Pink Floyd, ausgestanzten Wahnsinn: Led Zeppelin, das berühmte Stones Cover mit echtem Reißverschluss (wer hat das 1000fach reingenäht?)!!!

Leider gab es dann die erste deutsche Pressung der genialen Londoner Anarcho Funker Rip Rig & Panic, als cheasy Einfach-Light-LP, hier in München bei Virgin Deutschland. Die englische Originale im schweren Doppel-12“ Vinyl kam natürlich ein paar Wochen früher raus, war allein haptisch eine Wucht und natürlich soundmäßig auch, die Songs hatten doppelt so viel Platz (und Bass!). Übrigens sang da Neneh Cherry mit. Im Optimal haben wir sie importiert und die deutsche Pressung war wirklich kein Thema. Ein Hieb auf die „Produktmanager“ oder wie sie hießen... Ich frage mich gerade, warum damals bei gewissen Platten jedes europäische Land seine eigene „New Order“ Ausgabe gepresst/verpackt hat? Ach der Zoll, es gab noch kein „freies“ – so zu schätzendes, endlich friedliches Europa! (Ich blieb mal 24 Stunden in Sterzing hängen, weil ich, ordentlich verzollt und mit Steuerpapieren, einen Kombi voller italienischer Platten einführen wollte. Es ging am Ende nur über eine Spedition, teuer, extrem bürokratisch…) Anyhow, die englische Pressung war immer, immer die Feinste. Sie machen das mit Liebe, und eine 7“ Single gehört da zum Leben wie bei uns die Brezn und die Leute leisten sich, ja lieben das.

Ja das Cover: ein Whitelabel, total pure, fresh, kleine Auflage, bestenfalls gestempelt oder handbeschriftet, eine tolle Sache für DJs und Liebhaber. Es geht nur um den Klang, es ist ein „Tool“, kein ALBUM. Wie schön ist es denn, aus einem Klappcover toll bedruckte Innensleeves herauszuziehen? Textblätter, Poster etwa?

Handverpackte Musikkassetten (MCs), absolut wieder im Kommen, meinen einige wenige. Die Produktion findet in der Küche statt, Doppel Tape Deck, Copyshop, Sprühdose, nicht warten, dass ein Label nicht antwortet. Eh vorbei, auf was sollen wir warten…

Englische Indie-Labels, wie damals 4AD oder Mute, Kunst/Avantgardisten wie Raster/Noton oder Touch (und 1000e mehr) haben uns das gelehrt, sie haben immer schon Wert auf „das Äußere“ gelegt, von der Grafik, den Fotos, zum Papier, das das Meisterwerk, die Musik, diese irgendwie gasförmige, nicht zu fassende, diese nicht greifbare Kunst einpackt. Ja einpackt, und halt doch nicht: Musik schwebt, das Cover bleibt auf dem Teppich, an der Wand (auch schön!).

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